Simone de Beauvoir

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Simone de Beauvoir entdeckte ich kurz vor meinem 18. Geburtstag, in der Oberstufe. Mit Die Mandarins von Paris fing es an, dann las ich mich durch Memoiren einer Tochter aus gutem Haus, Briefe an Sartre und, natürlich, Das andere Geschlecht. Keine andere Autorin habe ich so konsequent gelesen wie Simone de Beauvoir. Keine andere Autorin hat mich durch so viele verschiedene Lebensphasen begleitet wie sie. Auch heute noch lerne ich immer wieder Neues an Beauvoir, ihren Ideen und Schriften kennen. Nie kommt mir diese Schriftstellerin und Philosophin langweilig vor – manche ihrer Essays und Kommentare sind heute genauso aktuell wie vor 60, 70 Jahren.

Simone de Beauvoir ist gründlich erforscht, untersucht und analysiert worden. Es gibt haufenweise wissenschaftliche Literatur über sie. Das andere Geschlecht gilt immer noch als feministisches Standardwerk, zu Beauvoir 100. Geburtstag 2008 wurden einige ihrer Bücher neu aufgelegt, auch zu ihrem 110. Geburtstag 2018 erinnerte man sich an sie. Und doch. Viel zu oft habe ich das Gefühl, dass gerade junge Leute sich kaum mit Beauvoir auseinandersetzen. Viele kennen nur Das andere Geschlecht, haben an der Uni vielleicht Auszüge daraus gelesen – und festgestellt, dass das ganz schön kompliziert ist. Die Ideen. Die Sprache. Beauvoir wird vor allem als Feministin gesehen, als Theoretikerin. Dabei war sie viel mehr als das: eine Schriftstellerin, die Dialoge schrieb, die den Leser direkt hineinziehen, die mit Worten atmosphärische Dichte schuf. Eine Philosophin, die ihrem Partner Jean-Paul Sartre an analytischer Schärfe in nichts nachstand und viele seiner existentialistischen Ideen selbstständig weiterdachte und zu ihrer ganz eigenen Philosophie machte. Eine Feministin, die sich den Großteil ihres Lebens nicht als solche bezeichnete und erst durch die 68er in der Frauenbewegung aktiv wurde.

Simone de Beauvoir, so scheint mir, erscheint vielen Jüngeren überlebensgroß und ehrfurchtsgebietend. Man traut sich nicht so richtig an sie heran. Auf meinem Blog Oh, Simone habe ich seit 2016 versucht, mich Beauvoir anzunähern – ohne allzu viel Ehrfurcht, dafür mit Humor und Kreativität. Der Blog pausiert momentan, dafür gibt es mittlerweile ein Buch: Oh, Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten ist 2017 bei Rowohlt erschienen. In Blog wie Buch steckt viel Schweiß und Herzblut und ich hoffe, dass dadurch mehr Menschen mit Beauvoir in Kontakt kommen, Lust haben, die Person hinter dem Mythos zu erforschen.

Über Simone de Beauvoir habe ich u.a. mit dem Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Nova und Edition F gesprochen. Für This is Jane Wayne habe ich aufgeschrieben, warum Das andere Geschlecht auch heute noch modern ist.